Unterwegs

Es war ja in den letzten Monaten mächtig still hier auf der Seite. Zuerst wuchsen mir die Baustellen einfach derartig über den Kopf, dass ich über Wochen hinweg jeden Tag mehr als 12 Stunden an der ‘EigenArt’ gebastelt habe. Dann haben wir uns wider besseres Wissen noch für zwei zusätzliche Großbaustellen entschieden, die eigentlich gar nicht auf dem Zettel standen. Diverse Kinderkrankheiten, Besuchstermine und Pflichtaufgaben taten ihr Übriges zur Verzögerung des Starttermins. Zum Schluss hingen uns unsere eigenen Durchhalteparolen schon zum Hals raus: “Wann geht`s denn endlich los?” “Wenn alles gut geht, nächste Woche.” – das nervt spätestens nach 3 Wochen. Alles in allem hielt sich die Zeit und Lust zum Bloggen extrem in Grenzen.

Doch statt Euch (und uns) mit Vergangenem aufzuhalten: Wir sind unterwegs! Gestern nachmittag haben wir den Rostocker Stadthafen verlassen und sind gegen ordentliche 4-5 Bft. die Warnow runtergekreuzt. Für einen ersten Test eigentlich schon zu viel. Aber der Reihe nach, denn es ging gleich mit einer Überraschung los: Kaum 20m vom Proviantkai (Einkaufszentrum am Werftdreieck) weg: “Blubb, bluubbb, bluuuubbbb, …” Aussenborder aus und nicht wiederzubeleben. Also schnell die Fock hoch und segeln: Haben Arne`s neue/alte Fock ausprobiert (fetzt – nehmen wir!) und als es immer mehr aufbriste auch gleich ganz auf das Groß verzichtet – die ‘EigenArt’ lag so zwar etwas seltsam leegierig auf dem Ruder, aber was anderes war auch nicht drin. Denn mit den einfallenden Böen legt sich nicht nur das Boot auf die Seite, sondern unser ‘Knöpfchen’ ebenfalls. So hatte ich an Deck und Lini unter Deck alle Hände voll zu tun.

Ein für große Fahrt mit Baby ausgerüsteter Kleinkreuzer entwickelt eine sehr interessante Dynamik in der Welle: Statt wie sonst leichtfüßig auf und ab zu schwingen, geht die ‘EigenArt’ durch die Mini-Wellen der Warnow einfach nur durch. Mal schauen, was richtige Wellen mit dem zwar gut getrimmten aber dennoch erheblichen Mehrgewicht anstellen. Immerhin bewegt die ‘EigenArt’ sich unter der seltsamen Besegelung gar nicht so langsam – die ‘Gleitzeit’ braucht jedenfalls mehr als 3 Kreuzschläge um deutlich wegzuziehen – mit 3 Mann Regatta-Crew auf der Kante!

Im Seekanal macht der übliche Windbrecher (a.k.a. Kreuzfahrtschiff) das Kreuzen schwer – ein extra Kringel im alten Werftbecken lässt die Gedser-Fähre und einen Schüttgut-Frachter trotzdem gefahrlos passieren. Als nach gefühlten 327 Wenden endlich die Molenköpfe querab liegen und die Ostsee mit langer Dünung direkt unter uns durchschwingt, ist Helene eigentlich gerade beim Einschlafen. Nun klammert sie sich an Mama und macht große, müde und wohl auch ein bisschen ängstlich-fragende Augen. Dummerweise müssen wir in Hohe Düne unter Segeln anlegen, weil unsere Zweitakt-Diva immer noch nicht singen will. Dazu werden ‘all hands on deck’ benötigt, was die übernächtigte Helene nicht gerade toll findet.

Was eben noch zu wenig war (Mama fehlt) ist daraufhin gleich zu viel (Papa lenkt ab): ‘Knöpfchen’ ist es an Land gewöhnt, zum Einschlafen in ein anderes Zimmer zu kommen und dort dann auch nur mit einer Person zu sein – z.B. singend in den Schlaf getragen. Ginge auf See sicher auch – auf 30+ Fuss mit Stehhöhe!!! So tut sie sich sehr, sehr schwer in den Schlaf zu kommen – ist ja alles so spannend in einer Koje mit lauter tollen Dingen drumherum (Spüle, Spielzeug, Eltern). Kein Wunder, dass sie heute todmüde im Vorschiff zusammenbricht (siehe Beitragsbild).

Heute haben wir nach diesem für alle 3 anstrengenden Flussstück erst einmal einen echten Urlaubstag eingelegt, dänische und schwedische Kronen besorgt (mal sehen, ob wir sie dann auch brauchen!) und leckeres Eis gegessen. Fussball fiel aus, dafür sind wir zum Anbaden gekommen, wenn man das nach der Sommersonnenwende überhaupt noch so nennen darf! Helene fand den großen Sandkasten mit den Steinen und Muscheln sehr schön – wenn das anschliessende Salzwasserbad mit dem Lappen nicht so kalt wäre!

Der Aussenborder läuft wieder, Wetter soll morgen ähnlich werden wie heute, schauen wir also mal, was passiert. Ein geplanter Notfall am Darßer Ort? Bis dahin noch ein paar Impressionen aus dem Bootsleben – wie sehr der Spruch ‘Baby an Bord’ doch alles verändert!!!

6 Gedanken zu „Unterwegs

  1. der Heiko

    Hallöchen Ihr Drei…oh sorry, Ihr Vier,

    ich drücke mal alle verfügbaren Daumen und wünsche Euch einen wundervollen Sommer!
    Das bisschen an zusätzlichem Überlebensmittelgewicht wird das EigenArtige Mädchen nicht sonderlich beeindrucken, also Generalkurs Nord und ein Bällebad lässt sich notfalls postalisch nachsenden 😉

    LG Heiko

  2. Annegret Stolzenberg

    Na, die Arbeit hat sich gelohnt. Das in den Wellen rollende Kinderzimmer sieht schick aus. Allzeit gute Fahrt, gute Winde und eine ständig – wenn gewollt – singende Diva am Heck. LG AB

  3. hannelore&peter gerth

    Hallo Ihr wellenrenreitende Wurzelzwerge,
    Wir wünschen Euch einen guten Tourn ueber die Kadettrinne und zurueck!
    Bis zum 5-Sterne Anleger in Hohe Duene war es ja noch easy ,aber jetzt kommt Ihr ggf. in’s Rollen…
    Allerdings war heute auf dem Schweriner Revier richtig Flaute……. … ….
    Na vieĺleicht kommt morgen etwas NW von 3 bis 4….auf.
    Die Eigenart sieht ja unter Deck richtig flott aus, aber wir sind erst richtig beruhigt… wenn wir auch die Schwimmweste von Helene sehen!
    So nun fuer Euch eine schoene und einmalige Zeit!
    Wir freuen uns aktuelle Berichte und Bilder…
    Gruß vom Festland…
    T.Hanneloere&O.Peter

  4. Tine

    Hallo ihr Lieben,

    ich freue mich total, dass ihr endlich die Segel hissen konntet! Ich wünsche euch eine spannende, aber auch entspannende Abenteuertour mit eurem kleinen Knöpfchen. Budapest steht übrigens noch und zeigt sich von einer ganz ansehnlichen Seite 🙂

    Fühlt euch umarmt,
    Tine

  5. Kochi

    Hey ihr Leichtmatrosen,

    dann mal gute Fahrt und immer genug Wasser unterm Schwert oder wie auch immer Mensch unter Segelleuten so grüßt. Ich hab ja Urmelchen schon ewig nicht gesehen. Wat’n wunderhübsches Kind. Und das Boot sieht auch unglaublich schnieke aus! Wünsch euch n ppar schöne Wochen/Monate! Genießt die Zeit! 🙂

    Liebste Grüße und n Kuss dazu!
    Kochi.

Kommentare sind geschlossen.