Allinge (linge ding dong)

Zitat: „Mal sehen, ob wir auch dort ankommen.“ Derart verheißungsvoll beendet man einen Blogartikel nicht einfach ohne Grund. Damit sich jetzt aber keiner übermäßig sorgt: Wir sind am Leben! Ganz dicht dran sogar! Aufgrund mangelnden Windes sind wir letztlich nur halt nicht in Gudhjem gelandet. Das hatte ich schon im Urin, denn eigentlich sagt die Wettervorhersage nur vorher, was auf keinen Fall passieren wird. Also haben wir bei der Rundung der Nordspitze von Bornholm so was von überhaupt keinen Wind, dass sogar ein kleiner Dragonfly-Trimaran an unserer flügellahmen ‚EntenArt‘ im Zwei(viertel)Takt vorbeiknattern muss.

Kurz danach packt uns für ca. 3 min der Kapeffekt und katapultiert uns mit Rauschefahrt und ordentlich Lage direkt in das dahinter schon auszumachende Flautenloch. Seltsames Gefühl, gar nicht so schnell segeln zu wollen, wie es gerade geht. Nach ein/zwei Stunden Dümpeln entscheiden wir uns dann, den Quallen-Quirl anzuschmeissen. Mit Helene an Bord werden wir ganz schön schnell weich scheint mir – ist auch gut so. Aber statt die völlig sinnlosen Meilen und Stunden bis Gudhjem unter Motor abzuspulen, drehen wir um und erreichen nach ca. 15 min den wundervollen Hafen von Allinge. Von Hammershavnen wären wir zu Fuss über Land definitv schneller gewesen.

Der gerammelt voll ist. Vorhersehbar und bekannt. Weil nämlich das Jazzfestival an diesem Tag beginnt. Und ehrlich: So macht Anlegen Spass, ganz besonders der tanzwütigen Helene! Denn am Ende des inneren Hafenbeckens (wegen des angekündigten Starkwindes unbedingt vorzuziehen!) spielt bereits eine Combo mit singenden Klarinetten, schmetternden Trompeten und blubberndem Susaphon feinsten Dixie-Jazz. Da kommt unwillkürlich Schwung in die Leinenarbeit. Wir quetschen uns in eine der letzten Lücken – 24 Fuss und 2,45m passen irgendwie immer.

Während des Nachmittags wird es immer voller und Allinge bietet eine Sondervorstellung der liebsten Segler-Unterhaltung: Hafenkino. Dann tanzen wir ein wenig mit Helene zur Livemusik, machen Duschen und sonstige Versorgungseinrichtungen ausfindig und lassen ansonsten die Seele baumeln. Gibt ja auch keinen Grund zur Hektik, denn hier werden wir wohl den Großteil der Woche bleiben: Es ist mehrere Tage Starkwind aus östlichen Richtungen angekündigt. Und was kann man sich schöneres Vorstellen zum Eingeweht-Sein, als ein Jazzfestival in einem liebenswerten Hafen.

Ähnlich ereignislos verläuft der folgende Tag (gerüchteweise ein Dienstag). Wir sind schon voll im skandinavischen Sommer angekommen: Normalerweise kommt man allerspätestens alle 20min mit jemandem ins Gespräch. Sowohl ‚Knöpfchen‘, als auch die ‚EigenArt‘ erleichtern das noch. Ach ja: Ein Ereignis ist wohl doch zu vermelden: Wir treffen doch tatsächlich ein junges Paar aus Rostock mit ihrer Tochter – Lini und die Mutter haben sich gegenseitig erkannt!

Der angekündigte Wind ist nun tatsächlich da und lässt die Boote im Vorhafen kräftig schaukeln, die Brandungswellen spritzen und die Sonnenhitze erträglich werden. Denn schönes Wetter soll wohl bleiben und so bleiben wir auch. Wenn Wind und Wellen nachgelassen haben, werden wir Christiansø ansteuern. Aber bis dahin geniessen wir hier das Hafenleben im Dixie-Rhythmus – und verzichten auf das Herumärgern mit elend langsamen und unzuverlässigen WLAN-Verbindungen…

4 Gedanken zu „Allinge (linge ding dong)

  1. Maltos

    Ooooh, wie schön!
    Bornholm ist immer eine Reise wert! So viele Male da gewesen und der Hammerhavn mit seinem Kiosk und den roten SchiPis wurde auch immer gern als Radinselumrundungsetappenziel genutzt! Viele Späße euch weiterhin! 🙂

  2. Erik

    Hej ihr 3 Handreisenden,

    habt Dank für’s teilhaben lassen an der Ferne. Reiseberichte & Photos machen neugierig auf Meer.
    Derweil konnten wir bei der vorletzten Freitagsregatta ein wenig glänzen. 🙂 Die Realität holte uns Mi dann wieder ein…bei ’ner schön böigen 6, hat man da mal fix ein recht potentes Sportgerät…
    Drück euch und die Kleene nochmal extra!
    Wünsche günstige Winde! 🙂

  3. Sebastian

    Hi Daniel, hi Line (und Helene unbekannterweise),

    Erik hatte mich auf Euren Blog gestossen und wir haben ihn mit Spannung gelesen… Schoen, dass ihr auch soviel Fahrtensegeln macht, finde ja Eure Bootsinnenausstattung echt gelungen. Hab Netti das gleich alles mal gezeigt und sie damit ueberzeugen koennen, dass sich Segeln und Nachwuchs doch vertraegt, damit ist schon alles erreicht und ich lieg nicht ab Oktober auf dem Trockenen. Also wenn Ihr denn am Skagerak ankommt einfach links und dann nochmal links, dann seid ihr schon fast da und wir koennen hier gemeinsam die Suedsee (un)sicher machen, gibt ueberigens viel mehr Inseln als in der Ostsee (und waermer ists auch ha ha).
    Liebe Gruesse und viel Spass
    Sebastian
    🙂

    1. Daniel Stolzenberg Beitragsautor

      Mensch Sebn, das freut mich ja! So wie Du die Route nach ‘down under’ beschreibst, klingt das einfach und verlockend – zweimal Abbiegen, sehr schön. Aber wärmer als hier brauchen wir es derzeit auch nicht! Zum Thema Segeln und Nachwuchs können wir ja mal skypen, wenn wir wieder da sind. Herzlichen Glückwunsch zur guten Hoffnung erst einmal! Letztes Jahr war Helene gerade mal 2 Monate alt und Segeln mit ihr völlig unkompliziert. Würde uns sehr freuen, wenn ihr auch die Segel für eine größere Tour setzt!

      Dicken Gruß vom segelnden Pampers-Minenleger

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